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Volontärarbeit im Tierheim – die beste Medizin für die Seele

An einem Sonntag haben die Mitglieder der Kiewer Gesellschaft für Tierschutz, Irina Geraschenko und Angelika Komarowa, das Tierheim in Gostomel besucht. Was sie dabei erlebt haben, erzählen sie selbst.

Angelika Komarowa:

Leider besuche ich das Tierheim nicht sehr oft. Der Weg dorthin ist für mich sehr weit, umständlich und dauert ca. 4Std.
Dieses Mal beschloss ich dort nicht nur zu arbeiten sondern mich davon zu überzeugen, dass alles in Ordnung ist.

Denn erst vor Kurzem erreichte uns eine Kritik über Asia Serpinsaja. Sie solle die Tiere in einem schlechten Zustand halten und ihre Augen vor dem furchtbaren Durcheinander, das dort herrsche, verschließen. Doch dabei bedenken die Leute nicht, dass die gesamte Finanzierung zur Erhaltung des Tierheims allein auf den Schultern dieser Frau lastet.

 

Die Bilder des Tierheims von ungefähr dieser Periode siehe in «Unser Alltag».

So haben wir mit Irina Geraschenko das uns bekannte Tierheim heute mit einem besonders kritischen Auge betrachtet. Ganz objektiv betrachtend kann ich berichten, dass bei jedem unserer Besuche wir immer eine deutliche Verbesserung vorgefunden haben. Auch dieses Mal wurden wir nicht enttäuscht, im Gegenteil. Selbst in den Hinterhöfen, die für die Augen der Besucher verborgen bleiben, fanden wir nichts vor, dass auf hygienische Mängel hinweisen könnte.

Wir konnten beobachten wie Arbeiter und Volontäre Befestigungen für neue Zwinger betoniert haben, wie ein treuer Helfer Pavel Bolschakow, nach seiner physisch anstrengenden Arbeit noch Zeit gefunden hat einen ganzen Rudel Hunde auszuführen die ihn allesamt als ihren Hundeführer angesehen haben. Ein Leben im Zwinger ist sonst sehr langweilig. Ich finde die Hunde auszuführen ist eine sehr wichtige Arbeit. Ferner waren an diesem Tag einige Rentnerinnen im Tierheim am Werken.

Allerdings waren wir nicht sehr lange in der Rolle der Besucher im Tierheim unterwegs. Schon sehr bald wurde uns die Reinigung der inneren Zwinger aufgetragen. In diesen Zwingern sind die Hunde sehr „gesprächig“. Von ihrem Gebell wird man fast taub. Sie regen sich auf, dass ständig Leute an den Zwingern hin und her laufen, irgendwelche Sachen rumtragen und niemand auf einen Besuch reinschaut.
Ehrlich gesagt, war uns nicht ganz wohl dabei in die Zwinger reinzugehen. Doch das Gebell der Hunde bedeutete nichts Anderes, als eine Liebeserklärung an uns undankbare Menschen. Wie glücklich die Hunde waren, als wir die Zwinger betraten. Innerhalb kürzester Zeit waren wir von Kopf bis Fuß abgeknutscht. Die lautesten von Ihnen erwiesen sich als die Schüchternsten, aber nach einer Weile gaben sie uns bereits das Pfötchen und lächelten schüchtern.

Wir haben das nasse gepresste Sägemehl eingesammelt, auf den Misthaufen gefahren und durch neues ersetzt. Es gelang uns 8 oder 9 Zwinger zu reinigen. Von der Arbeit taten uns alle Muskeln weh. Wir haben uns beeilt, so viel wie möglich zu schaffen um den Bus noch zu kriegen bevor es dunkel wird. Und der Lohn für die Arbeit an diesem Tag war der Besuch des beheizten Katzenhauses.

Der Katzensektor mit den Öfen, den doppelverglasten Kunststofffenstern und dem Ausgang nach Draußen, ist ein Ort an dem die Seele ausruht. Die Katzen haben sogar ihren eigenen Sponsor. Das ist eine nette Unternehmerin und Freundin des Tierheims, Valentina Schirokowa. Ich hatte schon einmal das Vergnügen ihr Cafe zu besuchen. Dort gibt es auch eine Bäckerei in der meiner Meinung nach die besten Backwaren Kiews hergestellt werden. Wie schön, dass es in Kiew Menschen gibt die einen guten Geschäftssinn kombiniert mit einem großen Herz besitzen.

Irina Geraschenko:

Ich möchte anmerken, dass die Menschen, die bewusst ein Misstrauen gegenüber dem Tierheim schüren und dabei die Autorität von Asia Serpinskaja untergraben und dem Tierschutz damit schaden, sich sehr versündigen. Anstatt über Unordnung zu diskutieren, krempelt die Ärmel hoch und packt mit an!

Angelika und ihre Katze an der Äußerung der gegenseitigen Liebe

Schade, dass ich nicht mehr Zeit habe, sonst würde ich jede Woche herkommen. Ich habe daheim auch ein kleines Tierheim. 2 Hunde und 4 Katzen. Ich kann mir vorstellen, wie viel Kraft und Mut dazu gehört, diese Arbeit im Tierheim zu organisieren in dem an die 700 Tiere leben.

Der schönste Platz im Tierheim ist das Katzenhaus. Hier ist es so gemütlich, die Katzen sind satt, gut gepflegt, doch es fehlt ihnen eindeutig an menschlichem Umgang. Es ist einfach nicht möglich einer Arbeiterin an einem Tag die Böden zu schruppen, die Katzenklos zu reinigen, die Katzen zu füttern, das Wasser zu wechseln und dann noch jede von den 210 Katzen zu streicheln.
Angelika und ich sagten oft zum Spaß, dass man in jedes Katzenzimmer einen ganz großen Menschen, am liebsten 2-3 Meter groß, reinlegen könnte, damit alle Katzen an ihm kleben und damit der Menschheit (die es manchmal gar nicht verdient), ihre ganze Liebe zum Ausdruck bringen könnten. Doch Spaß beiseite, Volontärarbeit dieser Art ist auch sehr wichtig.

Wir verließen das Tierheim als es bereits dunkel war. Unterwegs begegneten uns Hunde die auf dem Gelände der benachbarten Farm leben. Sie sind überhaupt nicht aggressiv. Sie haben schon lange verstanden, dass nur freundliche Menschen das Tierheim besuchen und immer ein Leckerli dabei haben. Zum Dank begleiteten sie uns bis zur Straße.

Nach der getanen Arbeit im Tierheim fühlt man sich wie nach einem Gebet. Die Seele scheint zu schweben und genießt die Ruhe nach der beglichenen Schuld.
Jeder Besuch im Tierheim ist eine Medizin für die Seele. Anstatt des unnötigen Geredes und Beschwerden über die scheinbar hoffnungslose Arbeit unserer Sache – kommt ins Tierheim. Die dankbare Arbeit für die ausgestoßenen, vierbeinigen Mitglieder unserer Gesellschaft, macht uns zu Menschen.

Dezember 2006
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